Food-Science/ Gewusst?

Das Soja-Experiment – 1000 Gärten und der Sojaanbau in Deutschland – Startschuss und Aussaat

Das Sojaexperiment - 1000 Gärten - Taifun

Hand aufs Herz: Woran denkt ihr als erstes, wenn ihr Soja hört? Tofu, Sojasoße, Sojamilch oder Joghurt, vielleicht auch den weltweiten Sojaanbau und die damit verbundenen Probleme?

Wohl nur wenige Menschen werden bei dem Wort Soja an die eigentliche Sojapflanze und somit den Ursprung aller Folgeprodukte und Auswirkungen denken. Gehen wir noch einen Schritt weiter und fragen, wie denn eine Sojapflanze eigentlich aussieht und wächst, werden viele wohl passen müssen. Dies hat natürlich vielfältige Gründe unter anderem., dass Soja in Deutschland vergleichsweise wenig angebaut wird und vor allem als Futtermittel in Umlauf gebracht wird und der direkte Kontakt zwischen Sojapflanzen und Menschen sehr eingeschränkt ist.Umso mehr freue ich mich, euch heute ein fantastisches Projekt vorzustellen, dass sich zum Ziel gesetzt hat den Sojaanbau in Deutschland nicht nur zu fördern und in alle (klimatischen) Regionen zu tragen, sondern vor allem auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zu zeigen, was eine Sojapflanze ausmacht und welche tollen Eigenschaften diese mit sich bringt.

Das Soja-Experiment – 1000 Gärten

Das Soja-Experiment hat sich zum Ziel gesetzt gemeinsam mit einer Vielzahl an Hobbygärtnern, Vereinen, Schulen und Interessenten Soja in ganz Deutschland anzubauen. In Zusammenarbeit zwischen der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim und Taifun sind interessierte Gärtner deutschlandweit aufgerufen worden bei Interesse teilzunehmen.

Idee des Experiments ist es verschiedene Sojabohnen und Stämme in den verschiedensten klimatischen Regionen und Böden Deutschlands wachsen zu lassen, zu ernten und im Anschluss die Ergebnisse wissenschaftlich auszuwerten. Die ursprünglich anvisierte Anzahl von 1000 Gärtnern und unterschiedlichen Aufzuchtsorten wurde bei weitem übertroffen, sodass aktuell mehr als 2500 Gärtner aus allen Regionen Deutschlands am Experiment teilnehmen.

Bei der Vielzahl von verschiedenen Sojabohnen, die so in ganz Deutschland angebaut werden, handelt es sich ausschließlich um Speisesoja, der für den direkten Verzehr gedacht ist. Dadurch sollen neben geeigneten Sojastämmen auch neue Anbauflächen und Klimaregionen in Kombination mit der passenden Sojapflanze gefunden werden. Bisher wird Speisesoja fast ausschließlich in einer kleinen Region im hügeligen Süden angebaut. Entsprechend eingeschränkt ist die Menge an biologisch und vor allem genfreiem Soja, das direkt aus Deutschland bezogen werden kann. Die im Rahmen des Experiments gesammelten Ergebnisse werden unter anderem von der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim ausgewertet und im Anschluss öffentlich zugänglich sein. Und wer weiß: Vielleicht hat ein Hobbygärtner im hohen Norden gerade die perfekte Speisesojabohne für die Herstellung von Tofu gesät ;).

Jeder Teilnehmer wurde vor einigen Wochen mit einer zum Garten bzw. Saatfläche passenden Menge an Saatgut sowie allen Infos für eine erfolgreiche Aussaat ausgestattet. Je nach Region und vor allem Wetter vor Ort wachsen die Sojapflanzen mittlerweile schon seit 4-6 Wochen oder wurden wie hier in Hamburg erst vor knapp drei Wochen ausgesät. Wer sich einen kleinen Eindruck verschaffen möchte wie unterschiedlich und vielfältig die teilnehmenden Gärten und Rahmenbedingen ausfallen, der kann im „Gärtnerblog“ vorbeischauen. Dort tauschen sich die Gärtner aus und gewähren regelmäßig einen Blick in ihren Garten.

1000 Gärten Experiment - Aussaat im Botanischen Garten Hamburg

Botanischer Garten der Universität Hamburg

Da ich selber mangels Balkon oder Garten leider keine Möglichkeit habe Soja zu pflanzen, bin ich sehr froh mit dem Botanischen Garten der Universität Hamburg einen fantastischen Partnergarten gefunden zu haben. Dort besteht ausreichend Platz um eine Vielzahl von Sojabohnen auszusäen. Darüber hinaus wird sichergestellt, dass die heranwachsenden Pflanzen optimal betreut und versorgt werden. Alle Schritte werden von gelernten Gärtnern begleitet, sodass eine bestmögliche Umgebung für die Pflanzen geschaffen wird.

Die Sojapflanzen konnten, bedingt durch die Witterungsbedingungen hier in Hamburg erst Anfang Mai ausgesät werden und befinden sich in einem Beet des Wüstengartens im Loki-Schmidt-Garten in Hamburg-Klein-Flottbek. Der Garten ist täglich geöffnet und der Eintritt ist kostenfrei. Neben den Sojapflanzen gibt es natürlich eine Vielzahl weiterer (Nutz-)Pflanzen, Rhododendren, Rosen, die besichtigt werden können.

Was ist Soja eigentlich?

Zurück zum Soja: Soja als Lebensmittel in den verschiedensten Formen kennt fast jeder. Die Pflanze an sich ist im Vergleich zu vielen anderen Nutzpflanzen vielen Menschen aber weitgehend unbekannt. Soja gehört der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler an und ist eine Hülsenfrucht. Sie wird seit vielen Jahrtausenden von Menschen genutzt und wird aktuell auf knapp 6 % der weltweiten Nutzflächen angebaut. Sie ist damit die mit Abstand wichtigste Ölsaat weltweit.

Sojabohnen enthalten knapp 20 Prozent Öl und mehr als 35 % Eiweiß. Dies unterscheidet Soja von den meisten anderen Pflanzen und ist einer von vielen Gründen für den Einsatz als Futtermittel in der Massentierhaltung.

Sojabohnen werden weltweit in den verschiedensten Ländern und Klimaregionen angebaut. Die größten Sojaproduzenten sind die USA gefolgt von Brasilien, Argentinien, China und Indien. Neben China gehört Deutschland zu den größten Importeuren von Soja und hat 2015 über 3 Millionen Tonnen Sojabohnen importiert.

1000 Gärten Experiment - Wachstum im Botanischen Garten Hamburg 2

Aussaat

Die Aussaat erfolgt in der Regel ab Mitte bis Ende April, im Norden Deutschlands auch ein wenig später. Wichtig ist, dass die Soja-Keimlinge in den ersten Tagen einen warmen Boden, um die 10°C, für einen guten Start vorfinden. Gerade bei nasskalter Witterung und in eher kühlen Frühjahren ist eine gute Saatqualität entscheidend für die Triebkraft.

Der Ertrag und Erfolg beim Anbau von Soja hängt entscheidend von der Symbiose mit Stickstoff-fixierenden Knöllchenbakterien ab, die die Pflanzen mit Stickstoff versorgen.Diese Bakterien kommen in europäischen Böden nicht natürlich vor. Entsprechend müssen die Sojakeimlinge „geimpft“ werden. Dazu gibt es verschiedene Verfahren. Das am weitesten verbreitete Verfahren und auch beim Soja-Experiment zum Einsatz kommende Vorgehen ist die sogenannte Kontaktimpfung. Dabei wird das Saatgut kurz vor der Aussaat mit dem Impfstoff vermischt und anschließend ausgesät.

Ich hoffe, ich konnte euch einen ersten Einblick in das überaus spannende Experiment und den Anbau von Soja geben. Der nächste Artikel wird sich thematisch dem Keimen und den Jungpflanzen widmen. Dabei wird es unter anderem auch um das Thema Beikrautregulierung und Glyphosat gehen. Habt ihr Fragen oder Themen, die euch rund um die Pflanze und den Sojaanbau interessieren? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Life Food GmbH  und dem Soja-Experiment entstanden. Auf den Artikel und die genannten Informationen wurde zu keiner Zeit Einfluss genommen.

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5 Kommentare

  • Antworten
    Melli
    11. Juni 2016 at 16:24

    Hi Arne,
    schade, dass ich erst jetzt von der Aktion lese. Daran hätte ich auch gerne teilgenommen. Dann werde ich eben einfach verfolgen, wie sie weiter verläuft.
    LG Melli

    • Antworten
      Arne Ewerbeck
      22. Juni 2016 at 19:56

      Mach das auf jeden Fall. Es bleibt mit Sicherheit spannend 🙂

  • Antworten
    1000-Gärten Soja-Erlebnistag im Prinzessinnengarten Berlin
    16. August 2016 at 5:56

    […] einigen Wochen habe ich euch das Soja-Experiment – 1000 Gärten von Taifun und der Universität Hohenheim vorgestellt. Ziel des Experiments ist es unter anderem […]

  • Antworten
    Die Sojaernte beim Sojaexperiment - 1000 Gärten
    16. Oktober 2016 at 14:45

    […] sowie der angebauten Sojasorte ab. Für das Sojaexperiment – 1000 Gärten, dass ich hier und hier ausführlich vorgestellt habe bedeutet das, dass die vielen Gärtner, die über ganz […]

  • Antworten
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